Dienstag, 07 Juli 2015 16:09

Kleines Gerät mit wichtiger Wirkung

Kleines Gerät mit wichtiger Wirkung Copyright Bergrettung Gmunden

Bergrettung Gmunden wurde mit Technologie ausgestattet, die helfen soll, Leben zu retten.

                                                                                     

Die Gmundner Bergrettungs-Ortsstelle ist seit einigen Tagen im Besitz eines ganz besonderen, hochqualitativen und dabei überraschend winzigen Geräts der US-Firma Flir: Die auf Laserstrahl-Basis funktionierende Wärmebildkamera soll dazu dienen, in Bergnot geratene, aber nicht sofort auffindbare Menschen zu finden.

BRD-Obmann-Stellvertreter Christoph Mizelli: "Das ist ein hochspezialisiertes Gerät, es reagiert auf die Körperwärme. Man sieht damit die Vermissten, Verletzten oder Verunglückten selbst bei absoluter Dunkelheit und kann somit die Einsatzzeit erheblich verkürzen. Nach meinem Wissensstand ist die Gmundner Bergrettungs-Ortsstelle die erste in Oberösterreich, die so ein Gerät besitzt." Die Einsatzweite der Kamera beträgt bis zu 1200 Meter. "Man macht zuerst mit dem Gerät die Grobsuche, und wenn der Gesuchte geortet ist, kann die Mannschaft ganz gezielt dorthin gehen, wo man den Fund gemacht hat", erläutert Mizelli die Einsatzmethode. Auf genau dieses Modell sei man gekommen, weil es das ausgereifteste und kompakteste in dieser Leistungsstärke und Preisklasse sei. "Aber ohne großzügigen Geldgeber geht es sowieso nicht", betont Mizelli

Sponsor des kleinen, aber mit 6000 Euro nicht gerade als billig zu bezeichnenden Wunderdings ist der aus Gmunden stammende Arzt Hans-Jörg Holleis (39): "Das Gerät soll helfen, Menschenleben zu retten." Beweggrund: "Durch meine ursprüngliche Ausbildung als Mediziner hat man natürlich das Verständnis, dass es wichtig ist, die Erstversorgung innerhalb kürzester Zeit gewährleisten zu können, und ich glaube, dieses Gerät ist ein wesentlicher Schritt dazu. Jeder kann einmal in eine brenzlige Situation am Berg kommen, umso wichtiger ist, dass man schnell gefunden werden kann."

Suche auch bei Finsternis

Wolfgang Socher, Einsatzleiter der Gmundner Bergrettung und Landesausbildungsleiter: "Was wir bemerken, ist, dass sich die Trainingszeiten der Leute am Berg immer mehr in den Abend hineinbewegen, weil sie nach der Arbeit noch trainieren wollen. Für uns ist es schwierig, wenn man in der Nacht jemanden suchen muss. Mit dem neuen Gerät kann man auch wenn es stockfinster ist aufgrund der Restkörperwärme jemanden finden. Da erhoffen wir uns wesentliche Verbesserungen."

Socher gibt auch Tipps, wie angesichts der derzeitigen Hitze Probleme beim Wandern oder Bergsteigen vermieden werden können: "Das Hauptproblem ist Dehydration und dass sich die Leute nicht zugestehen, dass die Hitze für den Kreislauf zu viel ist – speziell bei Untrainierten." Was immer wieder beobachtet werden könne, sei, dass Berggeher denken, gegen Abend zu werde es sehr viel kühler. "Das ist natürlich ein Trugschluss", warnt Socher, "weil sich der Fels den ganzen Tag über mit Wärme auflädt. Da ist es um acht Uhr abends noch fast genauso heiß wie um drei Uhr nachmittags. Ich würde empfehlen, in den frühen Morgenstunden zu gehen und sich einen schattseitigen Steig auszusuchen."

 

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